Über die Brennerei

Die Genossenschaft

Am 7. Mai 1969 fand in „Bellmanns Hotel“ in Nottensdorf die Gründungsversammlung der Obstgemeinschaftsbrennerei Niederelbe eG statt. Am 8. Februar 1972 wurde dann das erste Obst gepresst. Bis heute sind der Genossenschaft rund 1.300 Obst erzeugende Landwirte beigetreten.  Pro Mitglied und Jahr dürfen nach dem Gesetz über das Branntweinmonopol 300 Liter Alkohol gebrannt werden.

 

Dazu werden im Jahr 8.000 bis 10.000 Tonnen Obst zu Hochprozentigem gebrannt. Der überwiegende Teil wird zu Industriealkohol für die Bundesmonopolverwaltung verarbeitet. Aber auch für Genießer wird in der Obstgemeinschaftsbrennerei gesorgt. Apfel-, Birnen- und andere Obstbrände sowie Liköre werden entwickelt, hergestellt und über die Hofläden der Landwirte vertrieben.

 

Alles, was in der Obstgemeinschaftsbrennerei produziert wird, kommt unter Verschluss. Wenn Spirituosen abgefüllt werden, ist immer der Zoll dabei. Denn pro Liter gebranntem reinen Alkohol müssen immerhin 13,02 Euro Branntweinsteuer abgeführt werden.

 

 

Die Brennerei gibt zu Beginn der Saison die Übernahmepreise für Brennobst für das ganze Jahr bekannt. Es hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass dieser Preis ein Eckpfeiler des Industriepreises für die gesamte Saison ist. Katastrophale Preiseinbrüche hat es seit Bestehen der Obstgemeinschaftsbrennerei nicht mehr gegeben.

Herstellung

Die Landwirte liefern das Obst bei der Obstgemeinschaftsbrennerei Niederelbe eG an. Nach dem Wiegen fallen die Früchte in eine Hammermühle und werden zerkleinert. Zusammen mit Wasser, Salzen, Schwefelsäure und Enzymen wird die Maische angesetzt und in 25.000 Liter fassenden Tanks gelagert. Dort setzt der Gärprozess ein, bei dem aus nur der Zucker aus dem Obst in Alkohol umgewandelt wird. Beim Brennen wird durch langsames Erhitzen der Alkohol aus der vergorenen Maische herausgelöst.

 

Für die Herstellung von Industriealkohol wird gemischtes Obst minderer Güte oder aus Überschüssen verbraucht, das hier einer sinnvollen Verwertung zugeführt wird. Der Alkohol wird dann von großen Tankwagen abgeholt. Anders ist es beim Feinbrand. Für die Obstbrand-Spezialitäten wird nur ausgesuchtes, sortenreines Obst verwendet. Der Destillationsprozess ist aufwändiger und ist in drei Arbeitsgänge aufgeteilt. Die Weiterverarbeitung und das Abfüllen auf Flaschen finden ebenfalls in der Obstgemeinschaftsbrennerei statt.

 

Das Herstellungsverfahren wird ständig weiter entwickelt. Dabei kommt es für die Produktion von Industriealkohol auf die Optimierung der Ausbeute an Alkohol an. Für die Feinbrände liegt der Schwerpunkt nicht auf der Menge, sondern auf der Qualität. Wie bekommt man möglichst viel der Fruchtaromen in das Endprodukt?

 

 

Auch die Produktentwicklung liegt in den Händen von Brennmeister Roland Müller. Jüngstes Beispiel ist der Sanddorn-Likör, zu dem er während eines Sommerurlaubs angeregt wurde und dessen Rezeptur in Monate langer Arbeit immer wieder verfeinert wurde. Auch ein Brand aus Bio-Äpfeln ist im Sortiment.

Das Alte Land

Willkommen im Alten Land! Auf einer Strecke von 35 Kilometern entlang der Elbe von Stade bis nach Hamburg bestimmt hier Obst das Bild der Gegend. Der Anbau von Äpfeln, Birnen, Kirschen und Zwetschen  prägte das größte geschlossene Obstanbaugebiet Nordeuropas.

 

 

Der Name „Altes Land“ leitet sich von „Olland“ ab. So wurde das Land genannt, das holländische Bauern im 12. Jahrhundert in der Marsch entlang der Elbe kultivierten. Durch Entwässerung machten sie die unwirtliche Sumpflandschaft fruchtbar. Die Tradition des reichen Bauernlandes ist noch heute überall zu spüren und zu sehen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Freunde des Obstanbaus, das Alte Land ist heute eine beliebte Urlaubsregion. 

Der Obstanbau

Das Obstanbaugebiet Niederelbe erstreckt sich linksseitig des Elbeurstromtals von der Winsener Elbmarsch im Südosten bis in die elbmündungsnahen Landschaften Kehdingen und Hadeln im Nordwesten, sowie südlich der Elbe auf die Geest. Bei den flussnahen Standorten handelt es sich überwiegend um Marschboden, der zwischen zwei Meter über und einem Meter unter dem Meeresspiegel (NN) liegt. Die lehmigen Sande der Geest befinden sich ca. 30 m über NN.

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,6 °C, die Temperatur während der Vegetationsmonate April bis Oktober 13,0 °C. Im Jahresdurchschnitt fallen 740 mm Niederschlag und die Anzahl der Sonnenscheinstunden beträgt 1500.

 

 

Der Obstbau hat in der Region entlang der Elbmarschen seit über 600 Jahren Tradition. Der Apfelanbau nimmt dabei mit rund 90 Prozent der Anbaufläche die wichtigste Rolle ein. Kirschen, Birnen und Zwetschen runden das fruchtige Angebot ab. Der Obstbau ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der vielen Altländer Bauern zu beträchtlichem Reichtum verholfen hatte. Sehen können Sie das rund um Jork und Steinkirchen an den stattlichen reetgedeckten Altländer Fachwerkhäusern mit ihren farbenfrohe Schnitzereien im Fachwerk , aufwändigen Ausmauerungen und den so genannten „Prachtpforten“. Das milde Elbklima ist für den Obstanbau äußerst förderlich, und so ist im Frühjahr die ganze Region in ein weißes bis rosafarbenes Blütenmeer gebettet. Im Alten Land werden jedes Jahr ungefähr eine Viertelmillion Tonnen Äpfel geerntet.